Martini - das optimistische Halberstadt-Magazin

ICH VERSTEHE IHREN UNMUT

Was passiert, wenn ein ganz normaler Arbeitstag zum Kampf ums Überleben wird?

„Ich verstehe Ihren Unmut“ erzählt von Heike, Objektleiterin einer Reinigungsfirma, die zwischen Zeitdruck, niedrigen Löhnen und den Zumutungen ihres Arbeitsalltags versucht, den Überblick zu behalten. Was nach einem gewöhnlichen Job klingt, wird für sie zunehmend zur existenziellen Belastungsprobe.

Regisseur Kilian Armando Friedrich begleitet Heike mit großer Nähe durch eine Arbeitswelt, in der Menschen funktionieren müssen – schnell, zuverlässig und möglichst unsichtbar. Der Film erzählt dabei nicht nur von den Bedingungen im Niedriglohnsektor, sondern auch von Würde, Überforderung und dem Versuch, sich trotz allem ein Stück Selbstbestimmung zu bewahren.

Nüchtern und mit dokumentarischer Anmutung inszeniert, entwickelt das Sozialdrama eine ungewöhnliche Intensität. Ein Film, der nicht laut anklagt, sondern sehr nah an einen Menschen heranrückt – und gerade deshalb lange nachwirkt.

KOPFKINO – 4. Oktober, 17 Uhr 
im Kinopark Zuckerfabrik Halberstadt

Heike (gespielt von Sabine Thalau) ist die Protagonistin im deutschen Sozialdrama „Ich verstehe Ihren Unmut“. Foto: WennDann Film

ETWAS GANZ BESONDERES

Was macht einen Menschen eigentlich aus?

„Etwas ganz Besonderes“ erzählt von der 17-jährigen Lea, die sich bei einer Castingshow bewirbt. Als ein Fernsehredakteur sie fragt, wer sie ist und was sie ausmacht, fällt ihr keine Antwort ein. Stattdessen beginnt sie, sich selbst und ihre Familie mit neuen Augen zu betrachten.

Lea lebt in der thüringischen Provinz, wo gerade ziemlich viel aus dem Gleichgewicht geraten ist: Ihre Eltern haben sich getrennt, die Pension der Großeltern kämpft ums Überleben und ihre Tante Kati versucht, als Museumsleiterin in der Kleinstadt neue Wege zu gehen. Zwischen familiären Spannungen, großen Zukunftsplänen und ganz alltäglichen Absurditäten sucht Lea nach ihrem eigenen Platz.

Regisseurin Eva Trobisch erzählt mit feinem Humor und genauer Beobachtung von einer jungen Frau auf der Suche nach sich selbst – und zugleich von einer Familie, in der drei Generationen mit ihren ganz eigenen Vorstellungen von Leben, Heimat und Zukunft aufeinandertreffen. Ein vielschichtiges Familienporträt über die Frage, wer wir sein wollen, wenn andere längst eine Antwort für uns haben.

KOPFKINO – 1. November, 17 Uhr 
im Kinopark Zuckerfabrik Halberstadt

Neuentdeckung Frida Hornemann spielt Lea im liebevoll-schmerzhaften Familienporträt „Etwas ganz Besonderes“. Foto: Adrian Campean / trimafilm

EVERYTIME

Wie lebt man weiter mit dem größtmöglichen Schmerz?

„Everytime“ erzählt von Ella, die ihre jugendliche Tochter Jessie verloren hat. Ein Jahr nach ihrem Tod begegnet sie Lux, Jessies Freund – dem Jungen, dem viele eine Mitschuld an ihrem Tod geben. Gemeinsam mit ihrer jüngeren Tochter Melli reist Ella nach Teneriffa zu einem Familienurlaub, der eigentlich nie stattgefunden hat.

Unter der flirrenden Sonne der Insel vermischen sich Erinnerungen und Gegenwart. Die drei kommen Jessie näher, gerade weil sie nicht mehr da ist. Und je weiter die Reise geht, desto mehr beginnt die Grenze zwischen dem, was geschehen ist, dem, was erinnert wird, und dem, was vielleicht nur noch in der Vorstellung existiert, zu verschwimmen.

Regisseurin Sandra Wollner erzählt in ihrem eindringlichen Drama von Trauer, Schuld und der schwierigen Frage, wie ein Leben nach einem Verlust weitergehen kann. Mit Birgit Minichmayr, Lotte Shirin Keiling und Tristán López entsteht ein ungewöhnliches Beziehungsdreieck – zugleich zart, verstörend und voller Zwischentöne. Für „Everytime“ erhielt Wollner diesem Jahr bei den  Internationalen Filmfestspielen von Cannes den Hauptpreis als bester Film in der Sektion Un Certain Regard.

KOPFKINO – 6. Dezember, 17 Uhr 
im Kinopark Zuckerfabrik in Halberstadt

Die österreichische Schauspielerin Birgit Minichmayr spielt eine alleinerziehende Mutter, die den tragischen Unfalltod ihrer 17-jährigen Tochter bewältigen muss. Foto: TheBarricadesPanamaFilm/GregoryOk

HEIMSUCHUNG

Was erzählt ein Haus, wenn ein ganzes Jahrhundert darin gelebt wurde?

„Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte“ erzählt von einem Haus an einem märkischen See, das über Jahrzehnte hinweg zum Schauplatz ganz unterschiedlicher Lebensgeschichten wird. Seine Bewohner wechseln. Politische Systeme kommen und gehen – doch der Ort bleibt und wird zum stillen Zeugen einer bewegten deutschen Geschichte.

Ein jüdischer Tuchfabrikant muss in den 1930er Jahren seinen Besitz verkaufen. Ein Architekt und seine Frau bauen sich dort ein neues Zuhause, erleben Krieg und Teilung und fliehen schließlich in den Westen. Später zieht eine Schriftstellerin mit ihrer Familie ein. Ihre Enkelin verbringt hier die Jahre bis zum Mauerfall. So verbinden sich persönliche Schicksale mit den großen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts.

Regisseur Volker Schlöndorff hat Jenny Erpenbecks gleichnamigen Roman für die Leinwand adaptiert und macht aus dem Haus einen Mikrokosmos deutscher Geschichte. Mit Martina Gedeck, Lars Eidinger, Susanne Wolff und Ulrich Matthes erzählt er von Heimat und Verlust, von Zugehörigkeit und Vertreibung – und davon, wie sehr Orte die Geschichten der Menschen bewahren können.

KOPFKINO – 3. Januar 2027, 17 Uhr 
im Kinopark Zuckerfabrik Halberstadt

Susanne Wolff und Lars Edinger in „Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte“. Foto: Studiocanal/Ziegler Film