„Bei der Arbeit erlebe ich keinen Rassismus. Im Gegenteil: Wenn ich ins Zimmer komme, freuen sich die Patienten. Ich glaube, sie mögen es, dass ich immer ein Lächeln und Fröhlichkeit mitbringe. Das muntert sie auf.
„Bei der Arbeit erlebe ich keinen Rassismus. Im Gegenteil: Wenn ich ins Zimmer komme, freuen sich die Patienten. Ich glaube, sie mögen es, dass ich immer ein Lächeln und Fröhlichkeit mitbringe. Das muntert sie auf.
Im AMEOS-Klinikum arbeite ich als ungelernte Pflegehilfskraft. Wir beziehen die Betten, reichen Essen an, helfen beim Waschen der Patienten, kümmern uns darum, dass der Lagerraum der Station aufgeräumt ist und unterstützen die Pflegefachkräfte, wenn sie Hilfe brauchen.
Ich habe mir fest vorgenommen, endlich eine Ausbildung zu schaffen. Im September will ich anfangen und Krankenpflegehelferin werden. Ich habe jetzt so viel Erfahrung, ich werde es diesmal schaffen. Es wird wirklich Zeit, denn ich habe schon mehrmals eine Ausbildung begonnen und sie dann doch nicht zu Ende gemacht. Mein Deutsch war zu schlecht. Ich habe als Helferin trotzdem immer im Bereich Pflege gearbeitet. Ich liebe es, mich um Menschen zu kümmern, die alt oder krank sind.
Wegen meiner Hautfarbe fragen mich öfter mal Patienten, woher ich komme. Meine Heimat ist die Dominikanische Republik. Ich habe dort mit einem deutschen Auswanderer zusammengelebt. Er stammte aus dem Harz und hatte in der Dominikanischen Republik ein eigenes Hotel. Dort habe ich für ihn gearbeitet, wir haben uns verliebt, und wir sind 2015 zusammen nach Deutschland geflogen.
Eigentlich wollten wir hier heiraten, aber die Beziehung wurde immer komplizierter. Er hat viel Alkohol getrunken, es gab Streit, wir waren nicht mehr glücklich. Er ging dann zurück in die Dominikanische Republik, ich blieb mit meinen beiden Töchtern hier, und er unterstützte uns finanziell über viele Jahre.

Ich konnte mich kaum auf Deutsch verständigen, aber ich wusste, dass die Mädchen hier eine gute Zukunft haben können. Die Dominikanische Republik ist ein schönes Land, aber es gab damals in meiner Heimat viele Probleme mit Prostitution und Drogen.
Diese Zeit in meinem Leben war ziemlich chaotisch. Ich lernte einige Jahre später einen anderen Mann kennen, dessen Familie mir sehr geholfen hat. Wir haben noch drei Kinder bekommen, aber die Beziehung war nie stabil. Mal waren wir zusammen, dann wieder getrennt. Es war ein ständiges Hin und Her.
Meine älteste Tochter ist schon ausgezogen, die anderen vier Kinder leben noch bei mir. Die jüngsten sind meine vierjährigen Zwillinge. Den Alltag mit den Kindern hinzubekommen und zu arbeiten, ist oft anstrengend. Zeit für mich selbst, zum Beispiel, um eine Freundin zu treffen, habe ich sehr, sehr selten.
„In Halberstadt ist jetzt mein Zuhause, hier habe ich meine Kinder, meine Wohnung, meinen Job.“
Aber ich will mich nicht beschweren. Wir kommen zurecht, ich verdiene genug Geld, und meine Töchter und auch der Vater der Kleinen sind da, um einzuspringen. Vor dem Job im Krankenhaus habe ich in einem Pflegeheim gearbeitet, wo es drei Schichten gab und ich öfter mal Nachtdienst hatte. Da war ich manchmal wirklich überfordert.
Auf der HNO-Station im Krankenhaus fühle ich mich wohl. Man geht nett miteinander um, und einige Patienten sagen, ich bin ein Sonnenschein. Wer im Krankenhaus liegt, ist meistens nicht gut gelaunt, oft sogar sehr traurig. Dann versuche ich, etwas Optimistisches zu sagen oder erzähle etwas von Gott, wenn es passt. Manchmal braucht ein Patient nicht nur Tabletten, sondern Worte.
Ganz ehrlich: Wenn ich arbeite oder durch die Stadt gehe, vergesse ich, dass ich eine dunklere Hautfarbe habe, als die meisten anderen. Ich gehe offen und freundlich auf Leute zu. Wenn doch jemand etwas Schlechtes sagt, antworte ich mit Humor. Als einmal ein Mann auf der Straße rief: ,Geh zurück nach Afrika!‘, habe ich geantwortet: ,Nur, wenn du mitkommst!‘
In Halberstadt ist jetzt mein Zuhause, hier habe ich meine Kinder, meine Wohnung, meinen Job. Ich möchte bleiben. Das kann ich mir gar nicht anders vorstellen.“
Notiert von Dana Toschner.