Eine verrückte Idee, drei leidenschaftliche Leichtathleten – und plötzlich steht Halberstadt vor einem internationalen Stabhochsprung-Meeting mitten auf dem Domplatz und könnte Geschichte schreiben.
Wenn am 31. Juli 2026 Athleten mit langen Stäben über den Domplatz laufen, sich in den Himmel katapultieren und vor der Kulisse des Halberstädter Doms in die Höhe schrauben, dann wird aus der „guten Stube“ der Stadt eine ganz besondere Bühne. Eine, wie es sie in Halberstadt so noch nicht gegeben hat - ein internationales Stabhochsprung-Meeting.
Das klingt nach einem spektakulären Sportereignis und gründet auf einer Idee, die zunächst ein wenig verrückt wirkte. Entstanden ist sie auf der Rückfahrt von einem Stabhochsprung-Meeting in Dessau. Drei Männer im Auto, noch voller Eindrücke, voller Begeisterung für diesen Sport – und plötzlich die Frage: Warum eigentlich nicht bei uns?
Der Apotheker Ulrich Grosch, der Leichtathletik-Abteilungsleiter des VfB Germania Halberstadt Bastian Herbst, und der deutsche Spitzen-Zehnkämpfer Steffen Fricke brauchten nicht lange, um zu merken: Diese Idee lässt sie nicht mehr los.
„Die Atmosphäre in Dessau hat mich einfach so fasziniert“, sagt Ulrich Grosch. „Ich wollte so etwas nach Halberstadt holen.“
Bei seinen beiden Mitstreitern rannte er damit offene Türen ein. Beim „Hausherren“ der guten Stube Domplatz ebenfalls. Oberbürgermeister Daniel Szarata und die drei eint ihre Begeisterung für die Leichtathletik. Eine Begeisterung, die schnell größer wurde als der Gedanke an ein einfaches Sportevent. Aus einer spontanen Idee wurde ein Plan. Und aus einem Plan ein Projekt, das inzwischen konkrete Formen annimmt. Mit „Halberstädter Höhenflüge“ wurde auch bereits ein Name gefunden.
Die Fotomontage vermittelt einen Eindruck davon, wie spektakulär die echten Bilder am 31. Juli 2026 auf dem Domplatz werden könnten. Bildmontage: Jan Arndt / Ideengut
Doch ein internationales Stabhochsprung-Meeting organisiert sich nicht nebenbei. Schnell wurde den drei Initiatoren klar, wie viel Arbeit hinter ihrer Vision steckt. Eine Hochsprung-Anlage muss her, die internationalen Standards entspricht. Sicherheitskonzepte müssen entwickelt, Genehmigungen eingeholt, Sponsoren gewonnen und ein Rahmenprogramm auf die Beine gestellt werden.
„Ohne die Stadt wäre das nicht möglich. Wir machen das alles ehrenamtlich und neben unseren beruflichen Verpflichtungen“, betont Ulrich Grosch. Ein Satz, der viel über das Projekt erzählt – und über die Menschen dahinter. Grosch selbst war nie Stabhochspringer. Seine sportlichen Wurzeln liegen im Schwimmen und Tischtennis. Und doch ist da diese Begeisterung für den Moment, wenn ein Athlet abhebt, wenn für Sekunden alles möglich scheint.
Steffen Fricke und Bastian Herbst bringen zusätzlich ihre sportliche Erfahrung und das Netzwerk ein. Gemeinsam tüfteln sie an Details, denken Abläufe durch, lösen Probleme, bevor sie entstehen.
Der Domplatz ist dabei nicht einfach nur Veranstaltungsort. Er ist Herzstück und Bühne zugleich. Inzwischen wurde die Fläche vermessen, die Anlage geplant. Die Springer sollen in Richtung Dom springen – bewusst gewählt. „Wir spekulieren auf emotionale Fotos mit dem Dom im Hintergrund“, sagt Steffen Fricke. Man merkt: Hier geht es nicht nur um Sport, sondern auch um Bilder, um Atmosphäre, um ein Erlebnis für die ganze Stadt.
Der Termin 31. Juli 2026 ist kein Zufall. Eine Woche vorher finden in Hannover die Leichtathletik-Finals statt. Bis dahin gibt sich die internationale Stabhochsprung-Elite fast 14-tägig in Deutschland den Hochsprungstab in die Hand. Außerdem werden am 31. Juli in Halberstadt auch noch die Interlands eröffnet – ein Leichtathletik-Masters-Wettkampf zwischen den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Deutschland. In insgesamt 13 Disziplinen – sechs Lauf-, vier Wurf- und zwei Sprungdisziplinen sowie in der 4x400-Meter-Mixed-Staffel – geht es um Punkte für das Nationalteam. Im vergangenen Jahr siegte in Den Haag die deutsche Mannschaft. Somit steht Halberstadt ein ganzes Wochenende im Licht der Leichtathletik, mit internationalen Gästen, spannenden Wettkämpfen, Begegnungen und sportlichen Höhepunkten.
Das Stabhochsprung-Meeting auf dem Domplatz soll dabei ein besonderer Auftakt sein. Ein Moment, der hängen bleibt. Für die Athleten – und für die Zuschauer.
Denn Stabhochsprung ist mehr als nur ein Wettbewerb. Es ist Spannung, Präzision, Mut und immer auch ein kleines Stück Risiko. Der Anlauf, der Absprung, der Flug über die Latte: Sekunden, in denen sich entscheidet, ob es reicht. Und vielleicht geht es an diesem Abend sogar um die Sechs-Meter-Grenze. Sie gilt im Stabhochsprung als magische Höhe. Nur wenige Athleten weltweit schaffen es, sie zu überwinden. Ob das auch in Halberstadt gelingt, ist offen. Aber allein, dass es möglich ist, zeigt, welche Dimension dieser Wettkampf inzwischen erreicht hat.
Was als Idee auf einer Autofahrt begann, ist längst zu etwas Größerem geworden. Zu einem Ereignis, das zeigt, was möglich ist, wenn Menschen für etwas brennen. Wenn sie Zeit investieren, Energie, Herzblut – ohne Garantie, dass am Ende alles perfekt läuft. Aber mit der festen Überzeugung, dass es sich lohnt. Und so könnte der Domplatz an diesem Sommerabend zu einem Ort werden, an dem nicht nur Sportgeschichte geschrieben wird, sondern auch ein Stück Stadtgeschichte.