Der legendäre Lauf über den Gläsernen Mönch soll mit dem Spiegelsbergelauf einen Neustart erleben. Ein kleiner Verein und ein paar Laufenthusiasten wollen eine Tradition fortführen und Halberstadt zurück auf den Laufkalender in Sachsen-Anhalt holen.
Von Mathias Kasuptke
Manchmal braucht es einfach Zeit. Neun Jahre sogar. Doch was lange reift, kann umso kraftvoller zurückkehren: Der traditionsreiche Lauf über den Gläsernen Mönch erlebt 2026 seine Neuauflage – unter neuem Namen, mit neuem Verein, aber mit dem alten Herzblut. Am 12. September 2026 fällt im Halberstädter Friedensstadion der Startschuss für den 1. Spiegelsbergelauf.
Hinter dem Neustart steht der junge Halberstädter Verein SwimBikeRun e. V., der sich zum Ziel gesetzt hat, die Domstadt wieder fest auf die Landkarte des Laufsports zu setzen.
Als der Lauf über den Gläsernen Mönch am 9. September 2017 zum letzten Mal gestartet wurde, wollte das eigentlich niemand so recht wahrhaben. Über fast ein Jahrzehnt hinweg hatten Roswitha und Lothar Ahrens den Traditionslauf mit großem Engagement organisiert – zuverlässig, professionell und mit regelmäßig mehr als 500 Teilnehmenden aus ganz Deutschland.
Doch irgendwann war Schluss. Beide hatten frühzeitig angekündigt, die Organisation abgeben zu wollen. Im wohlverdienten Rentenalter hofften sie, dass sich neue Macher finden würden. Doch trotz aller Vorankündigungen blieb die Suche erfolglos. Der Lauf über den Gläsernen Mönch war Geschichte.
Für Halberstadt bedeutete das mehr als nur den Verlust einer Sportveranstaltung. Während Städte im Umland weiterhin auf etablierte Läufe verweisen konnten, blieb die Domstadt plötzlich ohne eigenes Lauf-event zurück – ein weißer Fleck auf der läuferischen Landkarte.
Erst 2022 kam wieder Bewegung in die Sache. Stephanie Liebscher und Stefan Meyer, zwei laufbegeisterte Mitarbeitende der Halberstädter Stadtverwaltung, stellten unabhängig voneinander fest, wie sehr dieser Lauf eigentlich fehlte. „Es war einfach schade, dass es den Lauf über den Gläsernen Mönch nicht mehr gab“, erinnert sich Liebscher, die damals noch Stephanie Hofmann hieß. Sie wusste, wovon sie sprach: Im Jahr zuvor hatte sie den anspruchsvollen „Hölle von Q“-Triathlon in ihrer Altersklasse gewonnen. Die Begeisterung für Ausdauer- und Wettkampfsport war also mehr als nur theoretisch.
Doch wie so oft blieb es zunächst bei Gesprächen und Gedankenspielen. Ideen gab es viele – Taten noch keine. Das sollte sich erst mit der Gründung von SwimBikeRun Halberstadt e. V. ändern.
Nach ihrem sportlichen Erfolg 2022 bei der „Hölle von Q“ in Quedlinburg entstand beim SV Fortuna Halberstadt zunächst eine Triathlon-Abteilung. Doch familiäre Gründe machten dem Projekt bald einen Strich durch die Rechnung. Schnell wurde klar: Es braucht einen eigenen Verein als stabile Basis.
Gemeinsam mit Stefan Meyer und fünf weiteren Sportenthusiasten gründete Stephanie Liebscher schließlich SwimBikeRun Halberstadt e.V. – und übernahm den Vorsitz. „Dass wir einmal einen eigenen Lauf organisieren würden, war uns damals noch gar nicht bewusst“, sagt sie rückblickend. Es vergingen erneut zwei Jahre, bis aus der Idee ein konkreter Plan wurde. Der Respekt vor der Aufgabe war groß. „Wir wussten, welche Verantwortung mit einer solchen Veranstaltung verbunden ist“, so Liebscher. Heute weiß sie die Leistung ihrer Vorgänger umso mehr zu schätzen: „Was Roswitha und Lothar Ahrens über Jahre geleistet haben, verdient höchsten Respekt.“
Dass der Lauf nicht unter seinem alten Namen zurückkehrt, hat pragmatische Gründe. Eine Veranstaltung mit ähnlicher Bezeichnung startet bereits im benachbarten Langenstein. „Wir wollten mögliche Verwechslungen oder Diskussionen von vornherein vermeiden“, erklärt Liebscher. Der Spiegelsbergelauf steht nun für einen Neuanfang – mit klarer Identität und regionalem Bezug.
Die Vorbereitungen laufen derzeit auf Hochtouren. In Kürze geht eine eigene Website online, über die sich Interessenten anmelden können. Dort werden auch die drei Streckenverläufe detailliert vorgestellt: 4, 8 und 14 Kilometer.
Das sportliche Highlight bleibt auf der 14-Kilometer-Distanz der legendäre Anstieg über die Treppen zum Gläsernen Mönch. Neu ist allerdings eine zusätzliche Schleife kurz vor dem Ziel: Sie führt hinauf zum Halberstädter Jagdschloss. Was die Läufer dort erwartet, wird noch nicht verraten – nur so viel: Es wird eine Überraschung geben. Und sie dürfte so manchem die letzten Körner abverlangen. Auch die 8-Kilometer-Strecke hat es in sich. Zwar bleibt der Gläserne Mönch außen vor, doch der Anstieg zum Jagdschloss fordert ebenfalls Kondition. Wer es flacher mag, findet auf den 4 Kilometern eine attraktive Alternative. Für den Nachwuchs gibt es im Friedensstadion zudem einen 400-Meter-Schnupperlauf für Kinder.
Die Startgebühren bleiben bewusst moderat. Sie reichen von 5 Euro für Frühbucher für die 4-Kilometer-Distanz bis zu 19 Euro für Spätanmelder für die 14-Kilometer-Strecke. Alle Teilnehmenden erhalten eine Urkunde und eine Finisher-Medaille. Die Zeitmessung soll – nach aktueller Planung – vom bewährten TangerTimeService übernommen werden. Erste Gutscheine für Startplätze wurden bereits beim Neujahrslauf des SV Langenstein verlost.
Die Resonanz in der Läuferszene rund um Halberstadt ist ausgesprochen groß. Zahlreiche Vereine und Schulen haben nach Auskunft der beiden Organisatoren bereits ihre Teilnahme oder Unterstützung bei der Planung und Ausrichtung angekündigt. „Das überrascht uns echt. Damit haben wir nicht gerechnet“, freut sich Stephanie Liebscher.
„Die Latte liegt hoch“, sagt Stefan Meyer offen. Der Lauf über den Gläsernen Mönch sei früher äußerst professionell organisiert gewesen. „Viele Läuferinnen und Läufer werden sich daran erinnern – und genau die wollen wir nicht enttäuschen.“
Aber auch der Spiegelsbergelauf ist kein Selbstläufer. Versicherungen, Stadion, Genehmigungen, Zeitmessung und noch einiges mehr kosten nicht gerade wenig Geld. „Deshalb machen wir uns jetzt auf die Suche nach Sponsoren“, erklärt Stefan Meyer. Damit deren Engagement auch richtig gewürdigt werden kann, kümmere sich die Halberstädter Agentur Ideengut um Corporate Design, Website und das Marketing - ehrenamtlich. Alles soll im Rahmen bleiben, aber dennoch zähle jeder Euro, so Meyer. Deshalb setzt das Organisationsteam bei der Neuauflage auf Konzentration auf das Wesentliche. Nicht alles auf einmal, sondern solide, nachhaltig und mit Blick nach vorn. Das große Ziel: die Rückkehr in den Landescup.